TAG 53: NORBERT WICKIS STARKER AUFTRITT

 

Norbert Wicki ist wahrlich kein Freund von Karl-Heinz Grasser und Walter Meischberger. Das hat er in letzten Tagen anlässlich seiner Befragung durch die vorsitzende Richterin Marion Hohenecker ausführlich manifestiert („Wegen der Probleme von den beiden sitze ich jetzt als Angeklagter hier und das Geld auf meinem Konto ist seit vielen Jahren gesperrt…“).

 

Aber wenn es stimmt, was er in den letzten Tagen dargestellt hat – und es gibt offensichtlich keinen Grund für ihn, eine nicht der Wahrheit entsprechende Story aufzutischen –, dann ist der Anklage jetzt ein weiteres ganz massives Standbein weggebrochen; dann fehlt wohl jede logische Begründung, dass Karl-Heinz Grasser, wie unterstellt, wirtschaftlich Berechtigter des berühmten Mandarin Kontos gewesen sein kann; dann fehlt jede Begründung, dass das mittlerweile ebenfalls, wenn schon nicht berühmt, so doch allgemein bekannte Konto 400.815 des Walter Meischberger, auf dem ein Drittel der Buwog-Provision gelandet ist, in Wirklichkeit dem Karl-Heinz Grasser gehört hat; und dann fehlt auch jede Begründung, dass das sehr wohl berühmte „Schwiegermuttergeld“ Karl-Heinz Grasser zugeordnet werden könnte.

 

„Das Schwiegermuttergeld sei Buwog-Geld, so die Ermittler“. Diese Vermutung wurde jahrelang in der Öffentlichkeit am Köcheln gehalten – von mehr oder weniger qualitätsvollen Medien. Legendär etwa ein Bericht, vermutlich sogar die Initialzündung in der Öffentlichkeit, eines gewissen Herrn Sankholkar im Format, eine Zeitschrift, die es längst nicht mehr gibt. Möglicherweise mit Schaum vor dem Mund haute er damals in die Tasten: „Die Polizei hat Grassers Schwiemu-Story auf Herz und Nieren geprüft. So wurde ein lückenloses Bewegungsprofil von KHG und Familie erstellt … Das Polizeipapier entlarvt Grasser: Die Geldübergaben der Schwiegermutter seien so gar nicht möglich gewesen und seine Angaben diesbezüglich falsch.“ 

 

Und Sankholkar setzte nach: Grasser sei die Spucke weggeblieben, als ihn Finanzbeamte im Zuge einer Einvernahme am 18. Dezember 2012 mit dem Bewegungsprofil konfrontiert haben. Nun, in Wirklichkeit blieb jenen die Spucke weg, die so massiv auf dieses Bewegungsprofil gesetzt hatten. Es hat inferiore Qualität und ist das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt ist, wie sich nach einer Recherche durch die Anwälte herausgestellt hat.  

 

Mittlerweile wurde ohnehin auch bereits von der vorsitzenden Richterin im Rahmen der Hauptverhandlung explizit außer Streit gestellt, dass die insgesamt 500.000 Euro des „Schwiegermuttergeldes“ jedenfalls nicht aus den Buwog-Provisionen gespeist worden sein können – das wäre sich einfach zeitlich niemals ausgegangen. Was allerdings blieb war die Tatsache, dass dieses Geld – zumindest zwischenzeitlich - auf dem Mandarin Konto landete, wo auch beispielsweise Gelder von einem Meischberger Konto (wo sich wiederum ein Teil der Buwog-Provision befanden)  hin transferiert wurden. Und das gab Grund für Spekulationen, die letztendlich zum Buwog-Prozess führten.

 

Quasi das Missing Link dieser Story ist der Schweizer Vermögensverwalter Norbert Wicki. Er hatte ursprünglich Teile des Vermögens von Grassers Schwiegermutter und auch von seiner Frau Fiona betreut. Und sein Name war genannt worden, als Walter Meischberger in noch freundschaftlichen Zeiten einen Vermögensberater suchte und u.a. Karl-Heinz Grasser um Rat fragte, der wiederum den Namen Norbert Wicki bekanntgab.

 

Daraus war tatsächlich eine Geschäftsbeziehung entstanden, und auf das Mandarin Konto waren (auch) Gelder Meischbergers überwiesen worden. Einerseits zur (konservativen) Veranlagung („Kreditvertrag“ über 500.000 Euro mit einer gesicherten 3,5%-igen Verzinsung), andererseits, um  MIP-Aktien zu einem möglichst günstigen Einstiegskurs zu erwerben -  und auch Grasser, der damals MIP-Vorstand war, bei einer Hauptversammlung, die in einen (feindlichen) Übernahmekampf durch so genannte Heuschrecken ausartete, mit seinen Stimmen zu unterstützen. Die Krux dabei: Meischberger wollte nicht offiziell als MIP-Aktionär auftreten, sondern quasi anonym, durch Treuhänder vertreten. Das Konstrukt dafür, der Security Lending Vertrag, erwies sich jedoch als nicht durchführbar.

 

Alles zusammen bot aber über Jahre Raum für umfassende Spekulationen, die verkürzt darin mündeten: In Wirklichkeit alles Geld des Grasser, das auf einem Konto, nämlich dem Mandarin Konto, vermischt wurde – und, nachdem Teil dieser Gelder von einem Meischberger-Konto kamen, musste Grasser auch an der Buwog-Provision partizipiert haben. Und der Vermögensverwalter Norbert Wicki habe dabei mitgespielt…

 

Wicki, dessen Konto nach wie vor gesperrt ist, und der sich auch vor Gericht stinksauer zeigt, in die Probleme der Erst- und Zweitangeklagten hineingezogen worden zu sein, sorgte in weiten Zügen für Aufklärung. Hier ein paar wesentliche Aussagen Wickis:

  • Zur angeblichen Vermischung der Gelder auf einem Konto: „Es gab für treuhändige Gelder bei uns quasi Subkonten. Im internen System wurden klare Zuordnungen vorgenommen, wem welche Aktien gehören.“
  • Zu Walter Meischberger: „Das Geld kam immer ganz offiziell vom Namen Walter Meischberger, da war nichts verschleiert. Für uns war immer Meischberger ganz klar nachvollziehbar der wirtschaftlich Berechtigte.“
  • Zu Grassers Schwiegermutter: „Frau Giori-Lhota war viele Jahre meine Klientin, und es bestand ein sehr großes Vertrauensverhältnis. Beim so genannten Schwiegermuttergeld war mich ganz klar  Frau Giori-Lhota wirtschaftlich Berechtigte, nicht Karl-Heinz Grasser. Sie hat mir das auch in einem Telefonat im Jänner 2009 bestätigt; darüber gibt es auch eine Aktennotiz.“
  • Wicki zu wesentlichen Unterlagen, die die Ermittler nicht „interessiert“ haben: „Originalunterlagen was den Mandats- und Verwaltungsvertrag mit Frau Giori-Lhota betreffen, liegen noch bei uns, haben die Ermittler offensichtlich nicht erwünscht. Frau Rat, bitte fordern Sie das offiziell an!“
  • Zum Transfer des „Schwiegermuttergeldes“: „Das war ein Wunsch am Höhepunkt der Finanzkrise, das Geld auf eine sichere Bank zu bringen. Daher wurde das Geld zunächst von Ferint Konto der Meinl Bank auf das Mandarin Konto geparkt und dann auf das Catherine Partizipation Konto auf der St. Galler Bank transferiert.“
  • Zur Rückführung der Gelder vom Mandarin Konto: „Der Kreditvertrag mit Meischberger wurde vorzeitig von diesem gekündigt und rückgeführt, weil dieser Geld für Steuernachzahlungen brauchte. Aus demselben Grund wurden die Aktien bzw. Gelder aus dem Security Lending Vertrag auf Meischberger Konten rückgeführt.“
  • Zu von seinen Angaben abweichenden Compliance Berichten der Raiffeisen Bank Liechtenstein: „Die Berichte waren teilweise regelrecht erfunden, um möglichen Problemen vor der österreichischen Mutter zu entgehen. Jedenfalls wurde der Verfasser der Berichte dann auch von der Bank entlassen und Direktoren der Bank haben sich später bei mir persönlich entschuldigt und man wollte mit mir unbedingt wieder Geschäfte machen. Dafür gibt es auch Zeugen. So geht man wohl nicht mit jemanden um, der sich fehlverhalten hat.“
  • Zu Grassers Wissen über das Mandarin Konto: „Grasser wollte im Dezember 2009 Auskunft von mir, was auf dem Mandarin Konto genau gelaufen ist, was über das Konto abgewickelt wurde. Es war offensichtlich, dass er außer dem Treuhandgeschäft für seine Schwiegermutter nichts von Mandarin wusste.“
  • Wicki zu den Konsequenzen für ihn: „Ich war stinksauer, und wütend auf Grasser, weil ich über ihn zu Meischberger und in die Probleme geraten bin, mein Konto gesperrt wurde und bis heute gesperrt ist, und ich in der Öffentlichkeit durch den Kakao gezogen wurde und mir eine völlig neue Existenz aufbauen musste.“

Anmerkung: Alles da werden Sie natürlich in den meisten Medien bzw. in den Berichten der Nachrichtenagentur APA, die von vielen Medien übernommen wird, nicht oder nur in minimaler Fassung lesen. Denn: Was nicht sein darf, kann auch nicht sein…