TAG 76: „ER WAR EIN MINSTER ‚ZUM ANGREIFEN‘“

 

Am Tag 76 des laufenden Buwog-Prozesses standen jene Mitarbeiter im Zeugenstand, die damals in unmittelbarer Nähe von Finanzminister Grasser agierten. Die Chefsekretärin, die auch für die Terminkoordination zuständig war, sowie den zunächst Pressesprecher und nach zwei Jahren Kabinettchef und Pressesprecher Matthias Winkler…

 

Winkler verbrachte nahezu die volle Zeit der Ministertätigkeit Grassers (also von Anfang 2000 bis Jänner 2007) als dessen enger Mitarbeiter – sein Fachgebiet war insbesondere die Kommunikation, sowie die strategische, politische Beratertätigkeit und die Pressearbeit („Telefonate im großen Stil“). Dezidiert nicht sein Aufgabengebiet seieen inhaltliche Fragen außerhalb seiner Rolle als strategischer Berater gewesen, also beispielsweise auch keine tiefergehenden Aktivitäten im Rahmen der Privatisierung der Bundeswohnungen („Buwog“).

 

Ein Bereich übrigens, der im Unterschied zu verschiedensten Darstellungen, etwa der Ankläger, auch Finanzminister Grasser nicht rund um die Uhr beschäftigte, wie Winkler heute betonte: „Diese Privatisierung war aus meiner Wahrnehmung für den Minister, ebenso wie der Terminal Tower, ein Randthema, sicherlich nicht das große Thema, mit dem er den Großteil seiner Zeit verbracht hätte“. Noch viel stärker gelte das für ihn selbst, er wäre im Wesentlichen bei Presseagenden eingebunden gewesen, ansonsten gelegentlich bei Besprechungen dabei, sicherlich nicht bei inhaltlichen Agenden zum Thema Buwog involviert gewesen.

 

Wie er mit dem Minister kommuniziert habe? „Primär im persönlichen Gespräch, ansonsten abgestuft über Telefon oder per SMS“.

 

Die Frage nach „Grassers Art“, etwa gegenüber den Mitarbeitern, wurde nahezu identisch wie am Tag zuvor beantwortet: „Der Minister war besonders interessiert, viel im Haus unterwegs, wurde als sehr kollegial und offen wahrgenommen. Das hallt ihm bis heute im Finanzministerium nach“, so Winkler. Anmerkung: In der Anklage wird nahezu die gegenteilige These ausgestellt: Grasser sei Befindlichkeiten der Mitarbeiter gleichgültig gegenüber gestanden.

 

In dieselbe Kerbe schlug seine ehemalige Chefsekretärin: „Es war nicht leicht, beim Minister einen Termin zu bekommen, wir haben uns bemüht, den Kalender akkurat zu führen. Es war wirklich sehr viel los. Der Minister war ein absolut uncholerischer Chef und sehr ehrgeizig, aber auch wir waren ein sehr ehrgeiziges Kabinett“, betont sie, und ergänzt: „Dem Minister sind die Mitarbeiter sehr wichtig gewesen, er war ein Minister ‚zum Angreifen‘ und sehr viel im Haus unterwegs.“