TAG 77: „EIN STRENGER ABER IM HAUS SEHR ANGESEHENER CHEF.“

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Dieser Spruch galt – wieder einmal – am Tag 77 des laufenden Buwog-Prozesses. Überraschend kam in der Früh die Absage der vorgesehen ersten Zeugin, einer ehemaligen stellvertretenden Sektionsleiterin im Finanzministerium.

 

Stattdessen gab es ein emotionales Statement des Angeklagten Rudolf Fischer, der sich mit Zeugenaussagen aus dem Vortrag nicht einverstanden erklärte. Und anschließend gab es im Schnelldurchlauf die Verlesung von Vernehmungsprotokollen des ebenfalls angeklagten, von Beginn weg nicht verhandlungsfähigen, und mittlerweile bereits verstorbenen früheren Generaldirektors der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Rudolf Scharinger.

 

Ebenfalls fast im Schnelldurchlauf absolvierte dann der für Nachmittag vorgesehene Zeuge seinen Auftritt vor Gericht. Hans Georg K., ehemaliges Kabinettsmitglied, stand früher als geplant zur Verfügung. K. bestätigte die bisherigen Aussagen von Kabinettsmitarbeitern: „Wir waren alle sehr ausgelastet, mussten alle ‚hackeln‘“. Und auch die Wahrnehmung, was die menschliche Seite des damaligen Finanzministers betraf: „Grasser war ein strenger Chef, aber im Haus sehr angesehen. Er kümmerte sich um Mitarbeiter…“ Und auf die Frage, ob Grasser Befindlichkeiten der Mitarbeiter egal gewesen wären (es finden sich derartige Anspielungen in der Anklage): „Nein, ich hatte eine andere Wahrnehmung. Er war ein Minister zum Angreifen, auch für die Kollegen aus den Bundesländern.“

 

Interessant war eine Passage, die den ehemaligen Kabinettschef Traumüller, dem sicher eine wichtige Rolle bei den Zeugenbefragungen zukommt, gegolten hat.

 

Gefragt nach Traumüller könnte der Zeuge etwas erzählen, was Traumüller in eine Ausnahmesituation brachte, aber das sei etwas Hochpersönliches aus dessen Leben". Die Richterin fragt nach, ob es mit dem Verfahren zu tun habe. K.: „Das kann ich nicht beurteilen“. Er habe einen Anruf bekommen, und habe danach alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Traumüller zu helfen. Die Richterin wollte nicht, dass der Zeuge über etwas spricht, das noch nicht Verfahrensgegenstand ist. Anfang März wird man dann diesbezüglich mehr erfahren…

Weiter geht es laut Programm nächste Woche am Dienstag, u.a. mit der Befragung des ehemaligen Staatssekretärs Alfred Finz.