TAG 81: „MIT HILFE DER MEDIEN HABEN ICH GRASSER DORTHIN GEBRACHT, WO ER HEUTE SITZT.“

 

Für die Medien hat der heutige Zeuge Michael Ramprecht das gehalten, was man sich von ihm erwartet hatte: Er hat zum x-ten Mal seine Behauptungen wiederholt, mit denen er seit fast einem Jahrzehnt die Medien versorgt.

 

Doch warum man mit so schweren Anschuldigungen jahrelang gar nichts unternimmt, und dann zur Presse geht, jedenfalls nicht zur Kriminalpolizei, hat die Richterin heute gefragt. Das konnte der Zeuge nicht wirklich schlüssig beantworten, sondern verschanzte sich hinter angeblichen Drohungen gegen die Familie. Ein Motiv könnte jedenfalls Rache sein. Ramprecht scheint seine Nichtverlängerung als Chef der Bundesbeschaffungsagentur bis heute nicht verschmerzt zu haben, wie sein heutiger Auftritt wieder deutlich machte…

 

„Belastungszeugen“ mit langen Läuterungsphasen

 

Beim laufenden Buwog-Prozess gibt es spezielle, so genannte Belastungszeugen, die eigentlich ein sehr ähnliches oder identisches Verhaltensmuster verbindet: Nämlich, dass sie ihre mutmaßlichen Informationen bzw. Wahrnehmungen zu einem bestimmten Zeitpunkt erfahren hätten, aber trotz ihrer Wahrheits- bzw. Läuterungsphasen viele Jahre oder sogar über ein Jahrzehnt gebraucht haben, um damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Interessanterweise dann, als es medial perfekt gepasst hat.

 

Da ist einmal der heute am 81. Prozesstag befragte Michael Ramprecht, der laut eigenen Angaben im Jahr 2009 „die große Chance sah, mit Hilfe der Medien Grasser dorthin zu bringen, wo er heute sitzt.“ Und sich im Gerichtssaal damit brüstet: „Meine Strategie ist aufgegangen.“

 

Was war nun sein Wissen, das er mit Hilfe des Nachrichtenmagazins Profil an die Öffentlichkeit gebracht hat? Wohngemerkt via Medien an die Öffentlichkeit. Und nicht -  wie logisch und üblich -  falls man Straftaten vermutet, dass er zur Kriminalpolizei gegangen wäre, wie die vorsitzende Richterin Marion Hohenecker heute auch ihr Unverständnis ausdrückte…

 

Ramprecht, rund eineinhalb Jahre im Kabinett des damaligen Finanzminister Grasser tätig, und später Geschäftsführer der Bundesbeschaffungsagentur, behauptet, er habe in einem Gespräch mit Ernst Plech erfahren, dass das Ganze mit dem Verkauf der Bundeswohnbaugesellschaften ein „abgekartetes Spiel“ sei und „der Minister“ dahinter stünde. Plech habe auch ihn bestechen wollen und zehn Millionen Schilling geboten (trotzdem es in dieser Zeit längst den Euro gab…).

 

Das sei im März oder April 2004 (oder auch Mai) in einer Tennishalle in Wien gewesen. Adresse unbekannt und auch nicht mehr erinnerlich („ich habe das ins Navi eingegeben und vergessen“).

 

Völlig unterschiedliche Wahrnehmungen

 

Er, Ramprecht, habe angekündigt, sofort zur Staatsanwaltschaft zu gehen („Ihr geht’s in den Häfn, das sag ich euch“). Nach einem Gespräch mit seiner Frau und seinem Bruder (beide in Plechs Firma tätig) habe er aber davon Abstand genommen. Dass er zu diesem Zeitpunkt auch Geschäftsführer der Beschaffungsagentur war, mag vielleicht auch eine Rolle gespielt haben…

 

Jedenfalls wurde nach Aussagen Ramprechts schon am Folgetag des ominösen Meetings in der (ihm mittlerweile unbekannten) Tennishalle seine Frau von Plech verabschiedet. Man habe sich außerdem von Plech bedroht gefühlt. Hier gehen die Wahrnehmungen dann massiv auseinander. Plech dagegen behauptet gegenüber der Polizei, Ramprechts Frau habe mehr Geld gefordert, das musste er ablehnen, und dann habe diese von sich aus gekündigt.

 

Trotz aller dieser vermeintlichen Widrigkeiten unterblieb jedenfalls jede Form der Kontaktaufnahme seitens Ramprechts mit der Kriminalpolizei. So weit, so gut, das ist ohnehin der Wissensstand aus Oktober 2009, also jener von vor zehn Jahren.

 

Doch nun kommt noch ein weiterer so genannter Belastungszeuge ins Spiel, der demnächst in der Mitte im Großen Schwurgerichtssaal Platz nehmen wird. Ein gewisser Willibald Berner, sozusagen der Schöpfer der Tatplantheorie im Buwog-Verfahren.

 

Berner, früher im Verkehrsministerium tätig, und Ramprecht hatten sich angefreundet (der Tipp zur Freundschaft kam laut Ramprecht ausgerechnet von Minister Grasser). Mit dem Inhalt des angeblichen Treffens Plech/Ramprecht konfrontiert habe Berner dringend empfohlen, die „Familie nicht zu zerstören“.

„Berner wollte mich nach 2004 davor schützen, dass ich einen Tsunami auslöse, und er wollte mir nach dem Medien Tsunami durch den Profil Artikel helfen“, so die diffuse Erklärung Ramprechts.

 

Nun kam der Tatplan ins Spiel

 

Später, als sich im Oktober 2009 ein Profil Artikel mit den Behauptungen Ramprechts befasste, hat Berner seinem engen Freund dann anvertraut, dass er bereits im Jahr 2000 mit dem so genannten Tatplan konfrontiert worden war.  Auf einem Zettel hat er aufgekritzelt, was ihm damals Peter Hochegger geoffenbart hätte. Nämlich, dass ein „kleiner Kreis von Persönlichkeiten aus der FPÖ“ den Entschluss gefasst habe, persönlich bei „den diversen Privatisierungsprojekten von den in diesen Geschäften üblichen Fees zu profitieren“. Peter Hochegger bestreitet diese Behauptung, wie auch alle anderen genannten Personen. Erst viele Jahre später hat dieser Zettel („Skizze“) dann den Weg zur Polizei gefunden. Und ist zum zentralen Teil der Buwog-Anklage geworden. Berner hat dann später auch gehört, dass Grasser bei anderen Privatisierungen „genommen“ habe. Andere hätten das behauptet. Diese „anderen“ haben das übrigens mittlerweile mehrfach als zeugen unter Wahrheitspflicht bestritten…

 

Die Richterin heute zu Ramprecht: „Haben Sie die Originalskizze gesehen, hat sie Ihnen Berner gezeigt?“ „Nein, ich kenne sie auch nur vom Hörensagen“, so Ramprechts Antwort. 

 

Das bekannte Strickmuster: Es gibt eine Behauptung einer einzigen Person; eine Behauptung, für die es im laufenden Buwog Prozess bis dato nicht einen Hauch von Wahrheitsbeweis gegeben hat.

 

Auf ewig beleidigt…

 

Dass die Schilderungen Ramprechts gefundenes Fressen für diverse Medien sind, aber irgendwie nicht so ganz perfekt zusammenpassen, darauf haben kritische Berichterstatter im Saal schon im Laufe des Nachmittags verwiesen.  

 

Ein Motiv für seine Vorgehensweise könnte jedenfalls verletzte Eitelkeit sein. Darauf deuten jedenfalls mehrere Korrespondenzen, unter anderem ein sehr weinerlicher Brief an seinen „geehrten Nachfolger“ als Geschäftsführer der Bundesbeschaffungsagentur und andere leitende Beamte im Ministerium hin, in dem er in zig Absätzen seine doch so ausgezeichneten Qualitäten als Manager aufzählt, und wie ungerecht es sei, dass er vom Minister nicht neuerlich bestellt worden sei (Anmerkung: In einer NEWS Geschichte waren ganz andere Gründe veröffentlicht worden, warum seine Verlängerung nicht mehr in Frage kam).

 

Er, der Erfinder so vieler Topthemen der Ära Schüssel 1. Beispielsweise sei das so genannte Nulldefizit seine Erfindung gewesen. Und auch der Verkauf der Bundeswohnbaugesellschaften. „War das wirklich ihre Idee, Sie stehen unter Wahrheitspflicht“, mahnt die Richterin. „Von wem das zuerst gekommen ist, weiß ich nicht mehr, womöglich war es die Idee der Gruppe“, nimmt Ramprecht seinen vollmundigen Behauptungen dann etwas zurück. 

 

Jedenfalls sei 2006 alles zusammengefallen. Auch von seinem Bruder fühlt er sich auch übergangen („daher habe ich auch keinen wirklichen Bruder mehr…“), der es zwar wusste, aber ihm nicht mitgeteilt hatte, dass er in seiner Spitzenposition nicht wiederbestellt würde. Er musste es von seinem Co-Geschäftsführer erfahren. Er fühlte sich nun wie „der kleine Provinztrottel“. 

 

Dann hat er einen Brief geschrieben, wo er, Ramprecht, nach seiner Nichtverlängerung als Geschäftsführer, darauf hinwies, dass „er ein angeschossenes Raubtier“ sei, das in diesem Bereich nichts mehr zu verlieren habe. Sein Rat: „Verhält euch vernünftig, sonst kann ich euch auch schaden…“

 

Aber für all diese Details ist in den Medien halt kein Platz mehr…