TAG 94: „RAMPRECHT HAT UNS BELASTET, BEDROHT UND VERSUCHT ZU ERPRESSEN“

 

Die großen Stücke, welche die vereinigten Grasser-Jäger in die Aussagen des „Kronzeugen“ der Anklage, DI Michael Ramprecht, gesetzt hatten, dürften nach dessen vorwöchigem Auftritt aufgrund zahlreicher Widersprüche eher klein geworden sein. Aber nach den heutigen Aussagen eines Zeugen, auf dessen angeblichen Aussagen im Jahr 2010 Ramprecht u.a. seine Thesen aufgebaut hatte, dürfte sich das nochmals minimiert haben.

 

Es geht um Martin Ohneberg, früherer Manager in der Soravia-Gruppe, dem Ramprecht – sinngemäß – anlastet, er habe behauptet, „Grasser nehme nur in Bar“. Ramprecht hatte das allerdings auch nur von einem anderen „Zeugen“ gehört, von Willibald Berner, der bekanntlich auch behauptet, er wäre mit dem berühmten Tatplan schon im Jahr 2000 konfrontiert worden. So nebenbei: Zu Protokoll gegeben hatte er das dann allerdings erst ein Jahrzehnt später.

 

Was sagte nun heute Martin Ohneberg als Zeuge unter Wahrheitsplicht? Er bestätigt erstens seine früheren Aussagen, die da lauteten: „Was Berner da behauptet stimmt einfach nicht. Ja wir haben uns zufällig auf der Kärntnerstraße getroffen und uns ein paar Minuten aufgrund des kurz vorher erschienenen Profil-Artikels unterhalten und ich werde auch aufgrund dieser Magazingeschichte allgemein gesagt haben: Wenn jemand in so einer Situation Geld nimmt, dann nur in Cash. Aber das war natürlich nicht auf Grasser bezogen und sein Name ist auch mit Sicherheit nicht gefallen. Es ist einfach nicht wahr, was Berner über das Gespräch behauptet. Das Ganze ist absurd!“

 

Aber Ohneberg wiederholt auch noch andere Aussagen, die plötzlich Ramprecht in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen – und bis dato nicht bekannt waren: 

 

Michael Ramprecht war 2008 Geschäftsführer der Minopolis, einer Tochtergesellschaft der Soravia-Gruppe, bei der Martin Ohneberg damals Vorstand gewesen ist. Die Hoffnungen in die Managementfähigkeiten, aber auch menschlichen Qualitäten des Herrn Ramprecht waren dabei aber offensichtlich völlig überzogen. Ramprecht stellte sich als „äußerst schwierige Person heraus“ und musste relativ bald wegen „Unregelmäßigkeiten und eines Tatbestandes, der stattgefunden hat auf einer Auslandsreise in Bahrain, entlassen werden“, wie es im Amtsdeutsch so schön heißt.

 

Ohneberg hat das heute, am Tag 94 des Buwog-Prozesses, als Zeuge präzisiert: „Ramprecht war in der Geschäftsführung nicht erfolgreich, aber der unmittelbare Anlass für die Entlassung war das Angebot Ramprechts gegenüber Geschäftspartnern der Soravia-Gruppe in Bahrain, ein geplantes Joint-Venture an der Gruppe vorbei mit ihm, Ramprecht, direkt zu realisieren.“

 

Die Reaktion Ramprechts war ähnlich, wie es bei anderen Problemen mittlerweile aktenkundig ist: Diverse E-Mails in denen ganz offen von Drohungen die Rede ist, Ramprecht werde mit seinem Freund und Medienexperten Berner medial an die Öffentlichkeit gehen, er werde „die Soravia-Olympiade gegen uns eröffnen!“

 

Ohneberg: „Wie Ramprecht damals entlassen worden ist, hat er uns in der Öffentlichkeit bloßgestellt und wurde auch in anderen Verfahren schon erwähnt, dass Ramprecht mich und den Erwin Soravia massiv belastet und bedroht hat. Das ist soweit gegangen, dass wir verpflichtet waren, einen Strafanwalt einzuschalten.“

 

RAMPRECHT ZU OHNEBERG: „DU STEHST AUF EINER TODESLISTE!“

 

Die Geschichte entwickelte sich aber noch absurder: Im August 2010, also etwa zwei Jahre später und etwa ein Jahr nach Erscheinen des Profil-Artikels rief Ramprecht Ohneberg an, er habe mit ihm dringend etwas zu besprechen. Das Treffen fand dann zeitnah im berühmten Cafe Dommayer in Hietzing statt. 

 

„Ich wüsste etwas, das Karl-Heinz Grasser schaden könnte und sollte mich mit der Staatsanwaltschaft in Verbindung setzen. Und ich würde auf einer Todesliste des Herrn Meischberger stehen, die im Zusammenhang mit einer spezialisierten belgischen Organisation stünde. Seine Quelle für die Information wäre eine ORF-Journalistin namens Sagmeister“, eröffnete mir Ramprecht. 

 

Ohneberg: „Für mich ist das klar so rübergekommen, als würde mich Ramprecht in etwas hineinziehen wollen, mich zwingen wollen, dass ich etwas aussage. Es hat für mich den Anschein gehabt, als wäre das alles abgestimmt in Richtung Gespräch mit der Staatsanwaltschaft.“ „Wenn du glaubst, dass du mich da in irgend etwas hineinziehen kannst, dann hast du dich getäuscht, hab ich dann gesagt und bin gegangen“, so Ohneberg weiter. Seither habe er keinen Kontakt mehr zu Ramprecht gehabt.

 

Tatsächlich hat die Redakteurin vom ORF dann auch angerufen und Ohneberg gefragt, ob er sich stellen werde, weil er doch etwas wüsste, was den Herren schaden würde, hat auch diese Todesliste angesprochen, so Ohneberg.

 

„ES IST BEKANNT, DASS ES RAMPRECHTS LEBENSZIEL IST, GRASSER AN DIE WAND ZU FAHREN!“

 

In einem früheren Verfahren, das heute auch zur Sprache kam, hat Ohneberg auch angegeben: „Ich glaube, dass Ramprecht Berner dazu für was verwendet hat. Es ist bekannt, dass Ramprechts Lebensziel ist, den Grasser zu beschuldigen bzw. an die Wand zu fahren. Berner hat mir bei einem Treffen im August 2010 auch mitgeteilt, dass der Ramprecht ihn in etwas hineingezogen hat, ihn reinlasst und es ihm schön langsam am Keks gehe.“

 

„ES IST BEI RAMPERCHT EIN ÜBERGROSSES MASS AN EMOTIONALITÄT VORHANDEN.“

 

Ebenfalls im Zeugenstand war am Tag 94 einer der Gesellschafter der Soravia-Gruppe, Erwin Soravia. Auch er war damals unmittelbar in die Troubles mit Ramprecht im Herbst 2008 involviert.

 

Auch Soravia bestreitet Aussagen, in denen Ramprecht unterstellt, es habe Zuwendungen an den damaligen Finanzminister gegeben: „Das stimmt sicher nicht. Sämtliche Aussagen Ramprechts diesbezüglich entsprechen nicht den Tatsachen!“

 

„Das ist eine glatte Lüge!“, so Erwin Soravia heute unmissverständlich zur folgenden Behauptung Ramprechts: „Es hat 2007 bei Gesprächen mit Ohneberg und Soravia diesen ‚running gag‘ gegeben, wo sie immer gesagt haben, dein Freund, der Grasser, hat zum Dorotheum immer Bargeld genommen. Das war so drei oder vier Mal dieser running gag“.

 

Erwin Soravia im Gerichtssaal zur Person Ramprecht:

  • „Die Persönlichkeit des Herrn Ramprecht ist sicher keine einfache, definitiv nicht!“
  • „Es ist bei Ramprecht ein übergroßes Maß an Emotionalität vorhanden!“
  • „Er hat insbesondere eine sehr große Qualität in der Darstellung seiner Person!“
  • „Es sind mit ihm als Geschäftsführer Dinge vorgefallen, die in einem normalen Geschäft nicht üblich sind…“
  • „Faktum ist: Es hat mit ihm als Geschäftsführer gar nicht funktioniert!“
  • „Auf seine Entlassung hat er mit Drohungen reagiert, hochemotional!“