TAG 98: „ICH KONNTE MICH ALS ONE-WOMAN-SHOW NICHT UM BANKTHEMEN KÜMMERN…“

 

Am 98. Verhandlungstag stand mit Dr. Martina Postl jene Zeugin im Mittelpunkt, die damals bei der  Immofinanz für den Ankaufsprozess der Bundeswohnbaugesellschaften zuständig und in die Kaufpreisberechnungen eingebunden war, – und deren Namen schon ohne ihre Anwesenheit x-fach fiel.

Postl durfte gleich zu Beginn die damaligen „Rahmenbedingungen“ in der Immofinanz schildern, etwa, was die (eher früh beginnenden) Arbeitszeiten betrifft. Karl Petrikovics sei ein strenger und penibler, aber auch hoch intelligenter Chef gewesen, der verlangt habe, dass alle um acht da sind. Sie habe das abgelehnt. Dass die Zeugin (und laut Zeitungsberichten nunmehrige Kaffeehausbesitzerin) es mit frühen Beginnzeiten nicht so hat, bewies sie auch gleich am Verhandlungstag selbst, der erst nach 11 Uhr beginnen konnte (anstatt plangemäß um 9.30 Uhr), weil sie den Termin vergessen hatte („war nicht im Terminkalender eingetragen…“).

Jedenfalls sei sie in Sachen Buwog bei der Immofinanz eine „One-Woman-Show“ gewesen, schilderte Postl, die auch direkte Kontaktperson zum Konsortialführer Raiffeisenlandesbank OÖ war. Ihr damaliger direkter Ansprechpartner dort, Mag. Johann Schillinger, der vor ihr im Zeugenstand war, hat gelegentlich andere Wahrnehmungen als Postl – das nur vorweg.

 

In der Sache selbst konnte Postl nichts Neues liefern: Die Kärntner ESG sei ein „ungeliebtes Kind“ gewesen, eine Erkenntnis, die sich schon durch zahleiche Zeugenbefragungen gezeigt hat. Und nach dem Deal habe sie (vom nunmehrigen Mitangeklagten und damaligen Finanzchef der Immofinanz, Christian Thornton) erfahren, dass Geld an Peter Hochegger geflossen sei. Auch eine „Erkenntnis“, die von keinem der Beteiligten bestritten wurde. Über die Art der Zahlungen? „Für normale Dinge gibt es normale Lösungen, für komplizierte Dinge gibt es komplizierte Lösungen“.

 

Hochegger habe sie im Haus nicht wahrgenommen; was nicht ganz unplausibel ist, weil der ausschließlichen Kontakt über den Immofinanz-Chef Petrikovics pflegte…

 

Ein großes Thema bei allen Involvierten im Rahmen der Kalkulation für die Anbote war das so genannte Zinsänderungsrisiko – immerhin ging es dabei um ein Risiko, das es abzudecken galt, in der Höhe von etwa 60 Millionen Euro. Wie intensiv Postl damit beschäftigt gewesen sei? Für sie wäre das ein Seitenthema gewesen, habe sich damit nicht befasst, obwohl sie Bankerin gewesen sei, so die Zeugin. „Ich konnte mich nicht um Bankthemen kümmern als One-Woman-Show“, die nach dem Deal gerne Geschäftsführerin der Buwog geworden wäre, aber „ausgelacht“ worden sei. 

 

Das zweite große Thema der ersten Bieterrunde, die so genannten Zusatzangebote des Österreich-Konsortiums, habe sie dagegen im Detail wahrgenommen, „aber nicht verstanden, dass wir diese Zusatzgeschichten machen…“ Anmerkung: Postl sieht die Begründung dieser Zusatzangebote damit deutlich anders als ihr damaligen Pendant auf der Raiffeisen OÖ Seite, Johann Schillinger. Dieser sah das als gute Möglichkeit, in eine Verhandlungsrunde zu kommen.

 

Die frühere „One-Woman-Show“ kämpfte auch, wie zahlreiche andere Zeugen in diesem Prozess, mit der Problematik: Was waren Originalwahrnehmungen und was ist Zeitungswissen? Jedenfalls habe sie aus Zeitungen gewusst, dass Grasser, Meischberger und Plech befreundet waren. Und es sei auch in den Zeitungen gestanden, dass Hochegger für (den damaligen Finanzminister) Grasser die KMU-Tour organisiert habe. Für die Zeugin auch das Signal für eine „Freundschaft“. Und die obligate Frage nach Kommerzialrat Plechs Präsenz wurde natürlich auch gestellt. Plech habe sie damals gekannt, er sei ja im Buwog-Aufsichtsrat gesessen, er sei auch einmal im Haus gewesen. Weiters sei sie, Postl, auch einmal bei einem Business Cocktail bei der Firma Plech eingeladen gewesen. Und Plech und Grasser habe sie einmal gemeinsam bei einem Heurigen gesehen…

 

Bei einer Zeugenvernehmung vor knapp zehn Jahren hatte Postl gemeint, sie wisse es nicht mit Sicherheit, hätte es aber von Anfang an gespürt, „dass wir, damit meine ich das Konsortium, in der zweiten Bieterrunde irgendwas über dieses Limit von 960 Mio. Euro wussten“. Im Prinzip eine Bestätigung, wie etwa der Zeitangeklagte Walter Meischberger von Beginn weg die Situation schilderte, nämlich dass er vom damaligen Kärntner Landeshauptmann Zahlen erhalten habe, die via Immofinanz-Berater Peter Hochegger an die Immofinanz weitergeleitet wurden („nicht unter 960, aber am besten über eine Milliarde…“).

 

Postl dazu am Tag 98: „Von der Finanzierungszusage der Bank Austria für die CA Immo habe ich nichts gewusst.“ Interessant auch die Antwort auf die Frage, ob das Vorkaufsrecht des Landes Kärnten eingepreist wurde: „Nein, alle vier Gesellschaften wurden unter den gleichen Parametern bewertet.“ 

 

Insgesamt habe Postl „bereits zwölf Mal ausgesagt“ ist einem Artikel im Falter („Zwischen Zeugenstuhl und Kaffeehaussessel“) aus dem Jahr 2018 zu entnehmen. Am 12. Juni, am Tag 99 des laufenden Buwog-Prozesses, wird sie jedenfalls neuerlich Gelegenheit haben, direkt im Gerichtssaal noch offene Fragen zu beantworten. „Sie wird auch pünktlich da sein“, bemerkt dazu der Standard süffisant.